Blasensprung vor Geburtsbeginn - Ab wann ist eine Einleitung notwendig?

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Gibt es besondere Risiken bei der werdenden Mutter, so beginnt man bald nach dem Blasensprung mit der Einleitung. Fehlen diese, so kann man eine gewisse Zeit auf das Einsetzen der Wehen warten, in Einzelfällen auch unter ambulanten Bedingungen.

Von vorzeitigem Blasensprung spricht man, wenn Fruchtwasser vor Beginn der Wehen abfließt. Besorgt ist man, weil jetzt keine Barriere mehr zwischen der keimbesiedelten Scheide und dem Kind im Innenraum der Gebärmutter besteht und so eine Infektion mit negativen Folgen für Mutter und Kind möglich ist. Das Vorgehen, wie man als Hebamme, als Geburtshelfer mit einem vorzeitigen Blasensprung am Termin, (also nach 37 vollendeten Schwangerschaftswochen umgeht,) ist sehr umstritten. Das heißt, Studien zeigen keine beweisenden Ergebnisse. Daraus leitet sich ab, dass man so wenig wie möglich auf die natürlichen Abläufe mit medizinischen Maßnahmen Einfluss nimmt. Wenn keine erhöhten Temperaturen (>37 Grad C) als Hinweis auf eine Infektion gemessen werden, kann unter regelmäßigen Kontrollen mit der Einleitung 24 ggf. 32 Stunden abgewartet werden. Es sollen keine vaginalen manuellen Untersuchungen vor Beginn der Wehen wegen Steigerung der Infektionsgefahr durchgeführt werden. Wenn keine weiteren Risiken bestehen wie z.B. Mehrlinge, Schwangerschaftsdiabetes, durch die Schwangerschaft eingetretener Hochdruck, ein früherer Kaiserschnitt, dann kann der Geburtshelfer und die Hebamme in Einzelfällen auf Wunsch auch eine ambulante Betreuung unter engmaschigen Kontrollen ermöglichen. Für eine positive Wirkung einer Gabe von Antibiotika bei vorzeitigem Blasensprung am Termin gibt es keine Beweise. Auch für die Sinnhaftigkeit eines liegenden Transportes in die Klinik bei vorzeitigem Blasensprung fehlen die Beweise.


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Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda a.D.

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