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Inhaltsverzeichnis

Gliederung









Tipps

Tipps zum Thema Partnerschaft

Top-Fragen

Sind wir die Einzigen, die die Belastung mit Kind, Familie und Beruf kaum schaffen?

Wie viel Zeit sollte ich als Vater für meine Familie einplanen?

Welche Kurse werden für Männer angeboten?

Oft bin ich zu erschöpft, um mich so um mein Kind zu kümmern, wie ich es eigentlich möchte. Was soll ich tun?

Wie kann ich meinem Partner helfen, schon in der Schwangerschaft eine Beziehung zu unserem Baby aufzubauen?

Erziehung

Allgemein

Eltern sind die Ersten, die den Kindern Einstellungen und Verhaltensweisen beibringen, welche den Heranwachsenden ermöglichen, im Familienleben, in Schule und Umwelt zurecht zu kommen.

Wir alle leben in einer Gesellschaft, in der bestimmte Normen und Werte anerkannt und vorausgesetzt werden, aber andere nicht. Erziehung bedeutet, eine von diesen Normen geleitete Einübung, um den Kindern Fähigkeiten mitzugeben, die ihnen ermöglichen, mit ihrer Umwelt/ihrer Kultur möglichst barrierefrei zurechtzukommen und nicht ausgegrenzt zu werden. Diese „Fähigkeiten“ umfassen den ganzen Menschen, man spricht auch von körperlichen, charakterlichen, sozialen, intellektuellen und lebenspraktischen Kompetenzen. „Jemandes Geist und Charakter bilden und seine Entwicklung fördern“ betrifft sowohl „Erziehung“, „Bildung“ als auch „Sozialisation“, wobei „Erziehung“ bestimmte ideale erzieherische Vorstellungen umsetzt. Deshalb brauchen Kinder während ihres Heranwachsens Anleitung und Begleitung durch den Erwachsenen und Bezug auf Verhaltensregeln und Moralausbildung, die Unterscheidung von richtig und falsch.

Autorin: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw.

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Wie viel Mutter brauchen unsere Kinder?

Das ist davon abhängig, wie alt die Kinder sind. Die Mutter ist in der Regel zu Beginn des Lebens der sichere Hafen des Kindes. Ihre Anwesenheit gibt dem Kind Sicherheit und Geborgenheit, das Kind entwickelt sein Urvertrauen. Im Idealfall bleibt man nach der Geburt ein Jahr zuhause oder arbeitet nur an ein oder zwei Tagen in der Woche.

Dann hat sich die Mutter-Kind-Bindung gut festigen können, das Kind Vertrauen in seine Umgebung bekommen und kann nun auch häufiger Ersatzmamas akzeptieren. Das Kind ist dann dabei, seine Umkreise zu vergrößern und wird definitiv viel interessierter an seiner Umgebung, probiert aus und braucht neue Einflüsse und Anreize. Hier sind soziale Kontakte zu anderen Kindern mittlerweile auch wichtig zur optimalen Entwicklung des Kindes. Falls die Mutter früher einsteigen möchte/muss und sich es in den Arbeitsalltag einbauen lässt, kann man auch versuchen, dass Baby zunächst mitzunehmen. In vorheriger Absprache ist der ein oder andere Arbeitgeber durchaus bereit, dies zu gestatten.

Autorin: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw.

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Was muss ein Vater heute können?

Ein Vater ist in erster Linie ein Elternteil und das soll dem Kind Sicherheit und Geborgenheit geben, dem Kind später das Wichtigste für das Leben beibringen, ihm zuhören und ansprechbar sein. Bieten Sie ihm ein sicheres Gegenüber an, das es liebt, egal wie es ist.

Wenn Sie selber der Meinung sind, dass Sie ein guter Vater sind, die genannten Punkte erfüllen und Sie es auch durch Ihre Umgebung bestätigt bekommen, sind Sie für das Kind in der Situation, in der Sie gerade leben und arbeiten, ein guter Vater. Natürlich muss man je nach Alter des Kindes und den Bedürfnissen der Mutter, der Familienkonstellation seine Verhaltenweisen und Schwerpunkte immer wieder überprüfen. Wenn zwischen Ihnen und Ihrer Partnerin eine gute Absprache herrscht und Sie sich verlässlich mit Ihrem Kind beschäftigen, geben Sie ihrem Kind Sicherheit. Sie müssen sich heute nicht mehr erst als Mann beweisen. Das Bild des „harten Alleinverdieners“ gibt es nicht mehr. Männer wollen und sollen sich stärker in das Familienleben mit einbinden, als es noch ihre Väter getan haben. Teilen Sie sich die Aufgaben im Haushalt. Heute stehen Männer am Herd und bringen die Kindern in die Kita. Teilen Sie sich mit, das vereinfacht die Arbeitsteilung um vieles. Jeder tut bestimmte Dinge lieber. Bedenken Sie, dass die finanzielle Seite heute von beiden abgedeckt werden kann, denn Frauen sind in der Regel ebenso gut ausgebildet wie Männer. Sie können also einen Teil der Verantwortung abgeben.

Quelle: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw. nach Das Familienhandbuch

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Woran erkenne ich, dass ich mit meinem Kind gut umgehe und es sich bei mir geborgen fühlt?

Viele Frauen stellen sich die Frage, ob sie eine gute Mutter sind. Wenn Sie insich heineinhorchen, können Sie dies spüren. Jede Mutter geht von sich aus so gut wie sie kann mit ihrem Kind um. Eltern wollen nur das Beste für ihr Kind. Vertrauen Sie sich. Wenn Ihr Kind zufrieden ist, auf Sie reagiert, entspannte Laute von sich gibt, spielt, unternehmungslustig ist, gut schläft und wenig schreit, ist es bei Ihnen bestens aufgehoben. Wenn Sie unsicher sind, suchen Sie Eltern-Kind-Spielgruppen und Beratungsstellen auf, wo Sie sich rückversichern können und man auf Ihre Fragen antworten kann. Bei Unsicherheiten helfen Austausch und Beratungsstellen sehr oft, da Sie dort Gleichgesinnt und erfahrene Personen antreffen.

Julia Spätling, Kinderkrankenschwester, Diplom Heilpädagogin, Leiterin der Familienschule Fulda

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Wieviel Gehorsam kann ich von meinem Kind verlangen?

Ihr Kind wird Ihnen leicht folgen, wenn Sie eine innige Beziehung zu ihm haben, es den Sinn Ihrer Anordnung versteht, seine Selbstständigkeit angesprochen ist und Sie mit gutem Beispiel vorangehen.

Ihr Kind wird Ihnen leichter gehorchen, wenn Ihre Beziehung zu ihm gut ist. Da es die gute Beziehung zu Ihnen, Ihre Zuwendung nicht verlieren möchte, wird es Ihnen leichter folgen. Auch hat jedes Kind einen Drang, selbständig zu sein. Wenn Sie diesen Wunsch des Kindes mit Ihrer Aufforderung verbinden können, wird Ihr Kind leichter gehorchen. Viele Eltern übertragen ihre Vorstellungen z.B. von Ordnung auf Ihre Kinder. Das, was Sie von Ihrem Kind erwarten, muss es auch können, muss auch zum Entwicklungsstand des Kindes passen. Sowohl Über- als auch Unterforderung sind schlecht für sein Selbstwertgefühl. Das wichtigste von allem ist Ihr gutes Beispiel. Wenn Eltern z.B. wenig fernsehen, lässt sich das leicht bei den Kindern umsetzen. So können Sie immer an den Satz denken: „Erziehung ist Beispiel und Liebe, sonst nichts.“ (Fröbel).

Quelle: Remo H. Largo, Babyjahre, Piper Verlag München Zürich, 2012

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda

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Ist es gut, wenn unsere Kinder schon früh sehr selbstständig sind?

Selbständigkeit ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil: selbständiges Arbeiten fördert das Selbstvertrauen und die Intelligenz des Kindes. Wichtig bei den Tätigkeiten ist, dass das Kind nichts macht, was nicht seinem Alter entsprechend ist. Fordern, nicht überfordern ist das Ziel.

Kinder begreifen ihre Umwelt schneller, je mehr sie selber machen dürfen. Oft unterschätzen Eltern die Fähigkeiten ihrer Kinder. Jedes Alter hat wieder neue Entwicklungsaufgaben für das Kind. Probieren Sie aus, was es schon kann. Wenn ein Kind mit sechs Jahren in der Lage ist, ein einfaches Gericht zu kochen, ist das nichts Schlechtes. Aber: ein sechs Jahre altes Kind, was abends zuhause auf sein vier Jahre altes Geschwisterchen aufpassen muss, während die Eltern nicht zuhause sind, trägt Verantwortung, die viel zu schwer für es ist und die es auch durch den hohen Stress währenddessen psychisch nicht verarbeiten kann. Lassen Sie Ihr Kind so viel selber machen, wie es in der Lage ist und Spaß dabei hat. Kleine, regelmäßige Aufgaben im Alltag sind auch wichtig für das soziale Miteinander. Lassen Sie es ausprobieren, begleiten Sie es dabei, ohne zu viel einzugreifen und bestrafen Sie es nicht, wenn es Fehler macht, sondern suchen Sie mit ihm zusammen nach Lösungen.

Autorin: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw., anhand: Entwicklungspsychologie, Oerter/ Montada, siehe Theorie von Jean Piaget

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Methoden

Ein Klaps auf den Po kann doch nicht schaden?

Körperliche Bestrafung haben in der Kindererziehung nichts zu suchen.

Auch wenn noch manche Eltern ihren Kindern Schläge auf den Po oder Ohrfeigen geben oder an den Haaren ziehen, so steht die körperliche Bestrafung allen pädagogischen Erkenntnissen entgegen. Körperliches Bestrafen ist zudem meist ein Akt der elterlichen Hilflosigkeit. Den meisten Eltern tut es leid, dass ihnen „die Hand ausgerutscht“ ist. Viele Eltern machen sich danach Vorwürfe und entschuldigen sich danach bei den Kindern. In manchen Ländern ist jegliche Körperstrafe ein gesetzlich untersagtes Vergehen. Es gibt andere Mittel, sich bei den Kindern Gehör zu verschaffen (siehe Loben, Ignorieren …)

Quelle: Remo H. Largo, Babyjahre, Piper Verlag München Zürich, 2012

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda

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Welche kindgerechten Erziehungsmaßnahmen kann ich denn ergreifen?

Vorbild, Lob und Ignorieren sind wirkungsvolle und gute Methoden. „Verbieten“ muss Ihr Kind verstehen, es muss konsequent in einer liebevollen Atmosphäre erfolgen.

Die wichtigste ist Ihr Vorbild, die einfachste und schönste Maßnahme ist das Loben. Es wird auch bei den Erwachsenen viel zu wenig gelobt. Sie werden sehen, dass Ihr Kind das, wofür es gelobt wird, beim nächsten Mal besonders gut macht. Handlungen, besonders die, die provozieren zu ignorieren, ist eine effektive Methode. Schwieriger wird es mit dem Verbieten und den Konsequenzen, die Sie sich schon vorher überlegt haben sollten. Das Ganze geht nur dann, wenn das Kind es versteht. Die Verbote sollten Sie freundlich und bestimmt aussprechen. Ihr Kind sollte sich weiter bei ihnen geborgen fühlen. Denken Sie auch daran, dass Ihr Kind nicht immer sofort gehorchen kann, dass es vielleicht noch sehr in sein Spiel vertieft ist. Wir alle wollen nicht zu einem blinden Gehorsam erziehen und tolerieren ein gewisses Maß an Ungehorsam, der zur normalen kindlichen Entwicklung gehört. Gehorsam zum Zwecke einer Demonstration der Macht demütigt das Kind und hat auch langfristige Folgen, auch darauf, wie die Kinder ihre Kinder erziehen.

Quelle: Remo H. Largo, Babyjahre, Piper Verlag München Zürich, 2012

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda

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Ich sehe bei anderen Müttern und jetzt auch bei mir, dass ich eigenartig mit hoher Stimme zu meiner Tochter spreche. Warum tue ich das?

Sie verhalten sich, wie die Natur es in uns Menschen festgelegt hat. Um erfolgreich mit Ihrem Baby zu „sprechen“, sprechen Sie so eigenartig und trotzdem natürlich.

Babys haben schon viele Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zur Mutter mit einer erstaunlichen Mimik und einer Fähigkeit der Nachahmung. Sie haben auch ein großes Interesse an der menschlichen Stimme. Um diesen Kontakt zu erreichen, stellen sich Erwachsene instinktiv auf die Möglichkeiten des Babys ein. Sie sprechen langsam und mit hoher Stimme. Sie wiederholen oft und übertreiben ihre Mimik. Sie wiederholen und variieren die Töne, die das Kind macht. Und das Kind versucht es nachzuahmen. Erwachsene heben die Stimme, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und senken sie, wenn das Baby Blickkontakt aufgenommen hat. Es ist auch für Ihr Baby eine schöne Art, Ihre Zuneigung zu zeigen.

Quelle: Remo H. Largo, Babyjahre, Piper Verlag München Zürich, 2012

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda

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Perfekte Eltern, Erziehung und Beziehung

Wie viel Zeit sollte ich für meine Familie einplanen?

Hier zählt nicht die Menge der Zeit, sondern das, was sie in dieser Zeit mit den Kindern und der Mutter zusammen erleben und machen. Eine halbe Stunde direktes intensives Spiel mit dem Kind ist viel mehr als ein halbherziges, abgelenktes stundelanges „Nur-Anwesend-sein“ vor dem PC.

Wichtig ist, dass der Vater verlässlich kommt und nicht nur ab und zu anwesend ist. Je älter die Kinder sind, desto mehr warten sie auch auf den Kontakt und planen teilweise schon, was sie mit ihrem Vater machen. Wenn Ihr Kind schon spricht und etwas älter ist, fragen Sie Ihr Kind, ob ihm die Menge der Zeit ausreicht und auch was Sie mit ihm machen. Wichtig ist, dass die Zusagen die Sie machen, auf jeden Fall eingehalten werden, denn nur so erfährt das Kind das der Vater zuverlässig ist, dem man vertrauen kann und dem das Kind wichtig ist. Ebenso geht es Ihrer Partnerin. Feste Zeiten, wo Sie sich nur mit ihr beschäftigen, sind sehr wichtig, um die Partnerschaft positiv und stark zu machen. Verabreden Sie sich mit ihrer Familie und machen Sie einen Termin mit ihr aus, wenn es ihnen schwer fällt, zuverlässig zu sein. Die Familie ist der wichtigste Geschäftspartner den Sie haben, denn ohne Familie geht es Ihnen nicht gut und Sie sind nicht mehr in der Lage, alles andere gut zu leisten.

Quelle: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw.

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Darf man auch mal Tage haben, an denen man keine Lust auf sein Kind hat?

Oftmals liegt es an der Tagesstimmung, dass man mehr oder weniger Lust auf sein Kind hat. Kinder fordern ununterbrochen Ihre Aufmerksamkeit. Das ist anstrengend. Wenn man dann auch noch keine Pausen hat und viel alleine mit dem Kind ist, geht das auf die Stimmung. Es wird immer wieder Tage geben, an denen man mehr oder weniger Lust auf sein Kind hat. Fühlt man sich unzufrieden, nicht ausgelastet oder einsam, ist man auch nicht so offen für sein Kind. Sprechen Sie darüber auch mit anderen Müttern. Sie werden sehen, dass es vielen genauso geht. Wenn Sie häufiger dieses Gefühl haben, sie vielleicht Stimmungsschwankungen haben, aggressiv sind oder weinen müssen, sprechen Sie mit einer Fachkraft darüber, manchmal verbirgt sich dahinter auch eine Wochenbett-Depression.

Quelle: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw.

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Wie kann ich es vermeiden, mich von meinem Umfeld verunsichern zu lassen? Wie schaffe ich es, meinem Bauchgefühl zu vertrauen?

Sie finden Ihren Weg trotz evtl. gegenteiliger Stimmen besonders gut, wenn Sie sich mit Ihrem Partner einig sind, Ihre Gedanken (auch schriftlich) sortieren oder auch eine Fachkraft zu Rate ziehen.

Bei Verunsicherung angesichts der zahllosen und vielfältigen Meinungen ringsum hilft teilweise die Übereinstimmung mit dem Partner. Auch wenn man im Grunde überzeugt ist, den richtigen Weg gefunden zu haben, ist es mit der partnerschaftlichen Unterstützung im Rücken einfacher, sich anderen Einflüssen und Stimmen gegenüber zu behaupten oder auch abzuschirmen. Reden Sie laut mit sich selbst oder schreiben Sie Ihre Überlegungen und Gefühle auf. Das hilft, seine Gedanken zu ordnen und diese für sich selbst anzunehmen. Sie wollen immer das Beste für Ihr Kind, also werden Sie sich passend für Ihr Kind entscheiden. Sind sie sich immer noch unsicher, suchen Sie sich eine Fachkraft, die Ihnen Ihre Fragen im persönlichen Gespräch beantwortet.

Quelle: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw.

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Ist es normal, dass man sich manchmal überfordert und mit der gesamten Situation allein gelassen fühle?

Lassen Sie sich ruhig mal „vertreten“ durch Familie, Vertrauenspersonen, Babysitter oder Serviceangebote. Schlafen Sie und erholen Sie sich, wenn Ihr Kind schläft.

Bleiben Sie gelassen. Jedes neugebackene Elternteil fühlt sich zwischendurch überfordert und alleingelassen. Sie betreten ein komplett neues Gebiet und müssen die Arbeitsfelder erst kennen lernen. Eine Einarbeitungszeit gibt es leider nicht und der Sprung ins kalte Wasser ist eben sehr unangenehm. Solange diese Überforderungssymptome kein ständiges Gefühl ist, ist alles in Ordnung. Ändert sich dieses allerdings nicht, hilft nur das Sprechen mit dem Partner und anderen Eltern in der gleichen Situation. Eltern-Kind-Spielgruppen, Elterntreffs und ähnliches sind gute Möglichkeiten sich auszutauschen. Besteht das Gefühl des Alleinseins dennoch weiter, kann auch eine Wochenbett-Depression der Grund dafür sein. Hier gibt es unter www.schatten-und-licht.de Ansprechpartner in Ihrer Nähe.

Quelle: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw.

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Wie kann ich mein Schlafdefizit in den Griff kriegen?

Lassen Sie sich ruhig mal „vertreten“ durch Partner, Familie, Vertrauenspersonen, Babysitter oder Serviceangebote. Schlafen Sie und erholen Sie sich, wenn Ihr Kind schläft.

Suchen Sie sich Entlastung durch Nachbarn, Großeltern, einen Babysitter oder ehrenamtliche Serviceangebote wie „wellcome“. Gönnen Sie sich den Nachmittagsschlaf, wenn Ihr Kind schläft und lassen Sie den Haushalt liegen. Eine ausgeglichene Mutter ist wichtiger für das Kind als eine aufgeräumte Wohnung. Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche sondern eine Stärke! Können Sie aber oft nicht mehr in den Schlaf finden, schrecken mitten in der Nacht auf und können nicht mehr einschlafen, gibt es anscheinend zu viele Dinge die Sie beschäftigen. Stehen Sie auf, schreiben Sie Ihre Gedanken auf und besprechen Sie diese am nächsten Abend in Ruhe mit Ihrem Partner oder einer guten Freundin. Wenn dies nicht hilft, suchen Sie sich bitte eine Beratungsstelle wie profamilia oder ähnliches.

Quelle: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw.

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Wie geht man mit der Wut um, die einen aufgrund des Schlafmangels und der Unsicherheit zu Beginn der Elternschaft oftmals befällt? Wie kann man diese Wut kanalisieren?

Gespräche suchen und Hilfe anfordern – beim Partner, bei Freunden und/oder über Beratungsstellen. Bloß nicht allein bleiben, denn Lösungen finden sich immer!

Wut ist ein Signal. Das Signal kann Überforderung bedeuten oder auch auf ungleich verteilte Aufgaben hinweisen. Schlafmangel alleine ist oft nicht nur die Ursache. Auf jeden Fall muss man darüber nachdenken, was hinter der Wut steckt und ob man die Ursache beseitigen kann. Oftmals ist ein Gespräch mit einer anderen Person sehr wichtig und hilfreich, wenn möglich, sollte man auch seinen Partner mit einbeziehen. Ist dies nicht möglich, kann man auch neutrale Beratungsstellen anfragen oder das Problem mit einer guten Freundin besprechen. Aber bitte nicht alleine bleiben mit diesen Gefühlen! Eine Lösung findet sich immer!

Quelle: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw.

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Wie kann ich die Balance zwischen Mutter- und Frausein herstellen?

Laut Hebammenwissen kommt die Schwangerschaft neun Monate und sie geht neun Monate. Mutter sind Sie in der ersten Zeit naturgemäß fast ausschließlich.

Geben Sie sich Zeit. Man wächst ins Muttersein hinein. Und gerade in der ersten Zeit ist frau fast ausschließlich Mutter. Der eigene Körper ist ganz Mutter, und das Kind braucht zunächst auch diese Mutter. Nehmen Sie die Situation zunächst erst einmal an und geben Sie sich mindestens ein Jahr Zeit, sich in die Frau „zurück zu verwandeln“, die Sie vorher waren. Eine Schwangerschaft kommt neun Monate und geht neun Monate, sagen manche Hebammen. Die Balance kommt von allein, solange Sie sich nicht zusätzlich unter Druck setzen. Geben Sie auch Ihrem Partner zu verstehen, dass nun erst einmal die Mutterschaft an vorderer Stelle steht und später wieder die Kraft für das Frausein zurückkommt.

Quelle: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw.

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Bin ich ein guter Vater?

Ein Vater ist in erster Linie eins der beiden wichtigen Elternteile und das soll dem Kind Sicherheit und Geborgenheit geben, dem Kind später das Wichtigste für das Leben beibringen, ihm zuhören, Zeit für es haben und ansprechbar sein.

Fragen Sie Ihre Partnerin. Fragen Sie Ihr Kind. Fragen Sie sich, was Ihrer Meinung nach ein guter Vater ist. Wenn Sie selber der Meinung sind, dass Sie ein guter Vater sind, die genannten Punkte erfüllen und Sie es auch durch Ihre Umgebung bestätigt bekommen, sind Sie für das Kind in der Situation, in der Sie gerade leben und arbeiten, ein guter Vater. Natürlich muss man je nach Alter des Kindes und den Bedürfnissen der Mutter, der Familienkonstellation seine Verhaltenweisen und Schwerpunkte immer wieder überprüfen. Wenn zwischen Ihnen und Ihrer Partnerin eine gute Absprache herrscht und Sie sich verlässlich mit Ihrem Kind beschäftigen, geben Sie ihrem Kind Sicherheit. Bieten Sie ihm ein sicheres Gegenüber an, das es liebt, egal wie es ist. Hier zählt auch die Qualität der Zuwendung und nicht unbedingt die Menge der Zuwendung. Eine Viertelstunde direktes intensives Spiel mit dem Kind ist viel mehr als ein halbherziges, abgelenktes „Nur-Anwesend-sein“.

Quelle: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw.

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Sind wir die Einzigen, die die Belastung mit Kind, Familie und Beruf kaum schaffen?

Dass Sie nicht allein diese Belastung nicht schaffen, zeigt sich in unserer extrem niedrigen Geburtenrate. Ein gesellschaftliches Umdenken, besonders in der Wirtschaft ist notwendig.

Sie sind nicht die einzigen, zumindest nicht in Deutschland. Die Wertschätzung der Familie in der Gesellschaft, besonders aber durch die Wirtschaft ist derart gering, dass mit der Geburtenzahl mit 1,35 Kindern pro Frau ein „Aussterben“ unserer Gesellschaft begonnen hat. 2,1 Kinder wären nötig für ein Gleichbleiben der Bevölkerungszahl. Dabei ruft der Staat nach qualifizierten Arbeitskräften. Die jungen Paare würden gerne Kinder bekommen, wenn sie nur entlastet würden, wie zum Beispiel in Frankreich und Holland. Es ist nicht das Geld allein, es ist die Anerkennung der Leistung der jungen Paare, die sich darin äußert, dass man Teilzeitanstellung und qualifizierte Kinderbetreuung flächendeckend anbietet, dass man Mütter und Väter, die auch Zeit für ihre Familien haben wollen, in den Betrieben nicht diskriminiert. Es gilt auch, die jungen Paare auf die Belastungen vorzubereiten, wie das die Deutsche Familienstiftung mit der an die Geburtsvorbereitung gekoppelte Geburts- und Familienvorbereitung (siehe dort) tut. Ohne dass die Gesellschaft ihre Aufgabe wahrnimmt, werden Sie und viele andere junge Familien die Belastungen nicht schaffen, was die begonnene Verweigerung, Kinder zu bekommen, weiter verstärken wird.

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda a.D. www.deutsche-familienstiftung.de

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Warum erlaube ich Sachen, die meine Frau verbietet?

Männer und Frauen haben andere Schwerpunkte und sind auch anders erzogen. Jede Einstellung zu einem bestimmten Thema kommt durch die eigenen gemachten Erfahrungen zustande. Ihre Eltern haben Sie anders erzogen als Ihre Frau erzogen wurde. Hier helfen nur gute Absprachen vorher in Bezug auf die eigenen Vorstellungen von Erziehung, Ernährung und Förderung.

Wenn es in der Situation nicht geklappt hat, klären Sie es hinterher, wenn die Wogen sich wieder geglättet haben und nicht vor dem Kind. Wichtig ist, die unterschiedlichen Auffassungen nicht sofort persönlich zu nehmen, sondern zu versuchen, sich möglichst sachlich und in Ruhe zu unterhalten. Unterschiedlicher Meinung werden Sie häufig sein und jeder hat seine Gründe. Das Ziel der Eltern sollte immer sein, einen Kompromiss zu finden, der schlussendlich auch das Beste für das Kind ist. Das Kind braucht eine einheitliche und konsequente Haltung und Erziehung der Eltern, sonst wird es die Eltern gegeneinander ausspielen und nicht lernen, was denn nun richtig ist.

Quelle: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw.

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Oft bin ich zu erschöpft, um mich so um mein Kind zu kümmern. Was soll ich tun?

Nehmen Sie sich Zeit für sich, für Ihre Partnerschaft. Erholte Eltern haben mehr Kraft für ihr Kind. Spannen Sie die Familie und Freunde ein.

Ihr Kind ist nicht immer das Wichtigste. Kraft für alle Ihre Leistungen schöpfen Sie aus Ihrer Partnerschaft. Und die will gepflegt sein. Erholen Sie sich, nehmen Sie sich Zeit füreinander. Ihr Kind nimmt es Ihnen nicht krumm, wenn es einmal nicht an der ersten Stelle steht. Keiner ist perfekt. Kleine Fehler werden von der Natur ausgeglichen, so wie Sie auch Ihrem Partner und er Ihnen kleine Fehler verzeiht. Lassen Sie sich helfen von Ihren Familien, von Freunden. Sie können sich erholen und Ihrem Kind tun andere Bezugspersonen sehr gut. (Siehe auch Tipps zur Partnerschaft)

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda

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Mutter und Schwiegermutter sagen, ich soll meinen drei Monate alten Jungen nicht immer aufnehmen, wenn er schreit. Schreien würde die Lungen stärken und verwöhnen würde man das Kind auch noch. Was ist nun richtig?

Ihre Mütter haben Unrecht. Zumindest in den ersten sechs Monaten. Beruhigen Sie Ihr Kind direkt. Es wird Sie in späteren Monaten mit weniger Schreien belohnen.

Die meisten Säuglinge könnten länger schreien, als es die Eltern aushalten könnten, schreibt R. Largo. Es ist eine oft geäußerte Befürchtung, dass durch häufiges und rasches Reagieren auf das Schreien die Kinder verwöhnt würden. Dies trifft in den ersten Lebensmonaten nicht zu. Im Gegenteil: Säuglinge, die rasch beruhigt werden, schreien in den folgenden Monaten weniger! Erst ab dem sechsten Monat führt schnelles Reagieren zu einem Gewöhnungseffekt und so zu einer Zunahme des Schreiens. Und dass das Schreien die Lungen stärkt, konnte unserer Kenntnis nach bisher nicht nachgewiesen werden.

Quelle: Remo H. Largo, Babyjahre, Piper Verlag München Zürich, 2012

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda

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Bindung und Bezugspersonen

Wie bringe ich meinen Schwiegereltern bei, dass sie Oma und Opa sein sollen und nicht Eltern spielen, z.B. sich verantwortlich fühlen für schulische Leistungen?

Das ist eine Grundsatzdiskussion. Eventuell fällt es den Großeltern schwer abzugrenzen, dass die eigene Tochter, der eigene Sohn gleichzeitig Eltern sind. Man ist immer die Tochter seiner Eltern, egal wie alt man inzwischen ist. Hier helfen nur klare Gespräche und Grenzen.

Wenn dass Vertrauen in die Kompetenz der Eltern des Kindes fehlt, ist es schwer, dagegen anzukommen. Natürlich sind die Eltern verantwortlich und dass muss auch klar geäußert werden. Vielleicht hilft es, den Großeltern klar zu machen, dass es das Kind verwirrt, wenn mehrere Parteien gleichzeitig an ihm „herumerziehen“. Klären Sie, wer wo und wann zuständig ist. Vielleicht haben die Großeltern das Bedürfnis zu helfen? Geben Sie ihnen einen Tipp, wie Sie sie unterstützen können, ohne die grundlegende Zuständigkeit zu stören. Vielleicht macht das Enkelkind gerne Hausaufgaben bei den Großeltern? Wenn die Großeltern viel in die Betreuung der Enkel mit einbezogen sind, entwickelt sich automatisch mehr Verantwortungsgefühl.

Quelle: J. Spätling, Dipl.-Heilpäd., Ki.Kr. Schw.

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Wie viel Zeit muss ich meinem Kind täglich widmen, damit es eine gute Bindung zu mir aufbauen kann?

Eine genaue Mindestzeit, um eine qualitativ gute Bindung zu erreichen, kann man nicht nennen. Ihr Baby soll sich wohlfühlen. Die Zeit, die Sie dazu brauchen, wird auch Ihnen sehr gut tun.

Eine Bindung baut Ihr Kind relativ leicht auf. Man spricht von einem instinktiven Bindungsverhalten. Kleine Kinder sind Ihren Eltern auf „Gedeih und Verderb“ ausgeliefert. Wesentlich ist, dass das Kind sich in dieser Bindung auch wohlfühlen muss. Hierbei spielt weniger die Zeit eine Rolle als die Qualität der Kind-Eltern-Beziehung. Es fühlt sich geborgen, wenn seine körperlichen und psychischen Bedürfnisse angemessen befriedigt werden. Und trotzdem benötigen Sie Zeit, um umfassend mit dem Kind vertraut zu werden. Da es abhängig ist von den Mentalitäten des Kindes und der Eltern, werden Sie selbst feststellen, wie viel Zeit für Mutter und Vater nötig ist, um diese gute Bindungsqualität zu erreichen. Allerdings sollte die Trennung von Kind und Mutter wenn möglich in den ersten sechs bis zwölf Monaten nur Stundenweise stattfinden und nicht über Nacht.

Quelle: Remo H. Largo, Babyjahre, Piper Verlag München Zürich, 2012

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda

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Können nur die Eltern oder auch andere Erwachsene eine gute Bindung zu einem Säugling aufbauen?

Entwicklungspsychologen sind heute der Ansicht, dass neben Mutter und Vater auch zu weiteren Personen eine gute Bindung entstehen kann, wenn sie ebenso zuverlässig und sich zeitlich ausreichend um den Säugling kümmern.

Ein Säugling bindet sich an den, der ihm körperliche Zuwendung gibt, ihn pflegt und die meiste Zeit mit ihm verbringt. Das sind nach der Geburt in erster Linie die Mutter und auch der Vater. Für den Säugling bekommt die Umwelt dadurch eine Beständigkeit, woraus sich Vertrauen entwickelt. Auch wenn die Mutter die wesentliche Zeit mit dem Säugling verbringt, sind Entwicklungspsychologen heute der Ansicht, dass sich zum Vater eine ebenso starke Bindung entwickeln kann wie zur Mutter. Hat der Säugling eine lang andauernde, stabile und zuverlässige Erfahrung mit einer anderen Person, kann er neben Mutter und Vater auch zu zwei bis drei anderen Personen eine langfristigere Beziehung eingehen. Er kann sich sogar auf das unterschiedliche Verhalten von Mutter, Vater und anderer Bezugspersonen einstellen. Gerade in Bezug auf die spätere Betreuung im Kindergarten ist gerade für noch recht kleine Kinder die verlässliche Betreuung durch immer die gleiche Bezugsperson wichtig, um diese Bindung möglich zu machen und so einen „sicheren Hafen“ für das Kind zu bieten.

Quelle: Remo H. Largo, Babyjahre, Piper Verlag München Zürich, 2012

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda

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Mein sonst so geschickter Mann scheint bei der gesamten Arbeit um unser Baby herum zwei linke Hände zu haben. Stellen sich andere Väter auch so an?

Bei vielen ist es ähnlich. Arbeiten Sie gezielt Ihren Mann ein, motivieren Sie ihn. Manchmal kommen Väter direkt am Anfang nicht zur Pflege und verlieren schnell den Mut. Das Baby freut sich über den Vater und Sie können jede Unterstützung brauchen.

Viele Väter haben ebenfalls einen nicht so guten Zugang zu ihrem Neugeborenen. Naturgemäß kümmert sich die Mutter nach der Geburt intensiv um ihr Baby. Manche Mütter kümmern sich so intensiv um ihr Baby, dass der anfangs noch sehr interessierte Vater ein wenig abgedrängt wird, dann aber auch schnell sein Engagement verliert. Da der Vater weniger Übung hat, macht er es natürlich anders, in den Augen mancher Mütter falsch. So getadelt zieht er sich zurück. Alle Mütter sollten ihre Männer motivieren, es „fast“ so gut zu machen wie sie. Väter können es auch, nur vielleicht etwas anders und das ist gut für das Baby. So werden Väter gute Bezugspersonen. Man schafft die viele Arbeit schon zu zweit nicht leicht. Zusammen ist man besser und es stärkt die Partnerschaft.

Quelle: Remo H. Largo, Babyjahre, Piper Verlag München Zürich, 2012

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda

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Bildung und Betreuung

Allgemein

Da ich bald wieder arbeiten muss, bin ich auf Betreuung angewiesen. Worauf muss ich achten?

Ihr Kind muss sich geborgen fühlen. Das Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung muss befriedigt werden. Es sollte sich in die Gemeinschaft integrieren und Erfahrungen mit Erwachsenen und Kindern machen können.

Früher dachte man, die Mutter hätte eine einzigartige Bedeutung für das psychische Wohlbefinden des Kindes. Heute weiß man, dass sie oft die Hauptbezugsperson ist, aber auch der Vater, Großeltern, Verwandte, Bekannte und Fachpersonen können tragfähige Bezugspersonen sein. Die Person muss dem Kind ausreichend vertraut und ansprechbar sein. Das Kind muss sich auf sie verlassen können und sie sollte sich dem Alter des Kindes verhalten. Die Betreuung muss regelmäßig stattfinden, dann wird der Tag für Ihr Kind vorausschaubar und so wird es sich sicher fühlen.

Zu weiteren Informationen: Remo H. Largo, Babyjahre, Piper Verlag München Zürich, 2012.

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik

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Ich muss bald wieder arbeiten und muss für mein Kind eine Tagesmutter suchen. Worauf muss ich bei der Auswahl achten?

Besuchen Sie die Tagesmutter bei sich zu Hause und sprechen Sie mit ihr und Eltern, die ihr Kind dort in Obhut gegeben haben, über die unten aufgeführten Punkte. Wenn Sie dann ein gutes Gefühl haben, ist sie die richtige Tagesmutter für Ihr Kind.

Sprechen Sie mit der Tagesmutter und bekannten Eltern folgende Punkte an: Motivation der Tagesmutter, ihre Vorstellung von Entwicklung und Erziehung, Interesse an Kind und Eltern, Aus- und Weiterbildung, frühere Tätigkeit, eigene Kinder in welchem Alter, Lebensbedingungen, Lebenspartner, weitere Tätigkeiten, Anzahl der betreuten Kinder und deren Alter, Betreuung an wie viel Stunden pro Tag, Essen der Kinder, Spielsachen, Spielen im Freien, ausreichend Platz, Zustand von Küche und Toilette, nähere Umgebung und die Regelungen während der Ferienzeiten.

Zu weiteren Informationen: Remo H. Largo, Babyjahre, Piper Verlag München Zürich, 2012.

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik

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Ich bin glücklich mit meinem Kind, möchte aber bald wieder arbeiten. Muss ich ein schlechtes Gewissen haben?

Viele Mütter arbeiten heute, einerseits weil sie arbeiten möchten, andererseits weil sie müssen. Wenn Ihr von einer ihm vertrauten Person betreut wird, wird es zudem noch in seiner sozialen Kompetenz gestärkt.

Heute haben viele Frauen einen Beruf erlernt, den sie gerne nach der Geburt wieder ausüben möchten. Einerseits ist der Arbeitslohn oft für den Unterhalt der Familie notwendig, andererseits fühlt sich die Mutter durch die Fürsorge für das Kind allein nicht ausgefüllt. Dass ausschließlich sich die Mutter um das Kind kümmert, ist ein oft idealisierter Sonderfall der vergangenen Jahrzehnte. Ein Dorf, Verwandte und Bekannte haben früher die Mütter bei der Betreuung unterstützt. Der Umgang mit vielen anderen, besonders Kindern verbessert auch die soziale Entwicklung der Kinder. Wenn Sie erreichen können, dass Ihr Kind kompetent betreut und nicht verwahrt wird, brauchen Sie kein schlechtes Gewissen zu haben. Das Kind braucht allerdings immer die gleichen ein oder zwei Personen, die sich um es kümmern. Fühlt sich eine Mutter wohl und ist ausgeglichen, geht es auch ihrem Kind gut.

Zu weiteren Informationen: Remo H. Largo, Babyjahre, Piper Verlag München Zürich, 2012.

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik

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Ist es gut, wenn Mama Vollzeit arbeiten geht?

Es ist davon abhängig wie alt das Kind ist und wie die Mutter die Zeit die sie mit ihren Kindern verbringt, ausfüllt. Bei Kleinkindern kann es Probleme geben, muss es aber nicht. Es muss sichergestellt sein, dass das Kind bei der Tagesmutter/der Erzieherin gut aufgehoben ist und es dort einen verlässlichen Ansprechpartner hat, mit dem es gut zurecht kommt. Es sollte eine persönliche, liebevolle Beziehung zwischen Kind und BetreuerIn bestehen.

Ein Kind kann etwa drei unterschiedliche Bezugspersonen verkraften, wenn diese zuverlässig sind und auf es eingehen können. Auch hier sollte man die älteren Kinder befragen. Bei Kleinkindern äußern sich die fehlenden Eltern unter anderem auch durch Schlafprobleme, schlechte Träume, unkooperatives Verhalten, schwierige Übergaben im Kindergarten etc. Bei älteren Kindern leidet oft der Zugang zum Kind und den Austausch über den Alltag des Kindes sehr darunter. Das Kind teilt sich dann eher der Hauptbezugsperson mit als der Mutter/dem Vater.

Autorin: Julia Spätling, Dipl-Heilpäd. Ki.kr.schw., anhand: Wege zu sicheren Bindungen in Familie und Gesellschaft, PD Dr. med. K.H. Brisch, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Ludwig-Maximilians-Universität München:

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Kindertagesstätte

Ich muss bald wieder arbeiten und muss mein Kind dann in eine Kita geben. Worauf muss ich bei der Auswahl achten?

Besuchen Sie die Einrichtung, sprechen Sie mit dem Personal und den Eltern über die unten aufgeführten Punkte und wenn Sie dann ein gutes Gefühl haben, ist es der richtige Ort für Ihr Kind.

Versuchen Sie bei einem Besuch und in Gesprächen mit Eltern, denen die Kindertagesstätte oder Krippe bekannt ist, auf folgende Bereiche zu achten. 1. Bei der Grundhaltung: Motivation der BetreuerInnen, kinderorientiertes Konzept, Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Eltern; 2. Beim Personal: pädagogische Ausbildung, fachliche Unterstützung des Personals mit Fortbildung und Supervision, finanzielle Ausstattung, Arbeitsbedingungen und Löhne; 3. Bei den Räumen: Vorhandensein von Spielzonen, Möglichkeit freier Gruppenbildung, anregende Ausstattung, ausreichend Bereiche für Bewegung und auch Rückzug, Qualität der sanitären Ausstattung.

Zu weiteren Informationen: Remo H. Largo, Babyjahre, Piper Verlag München Zürich, 2012.

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik

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Aus der Kita wird mir gemeldet, dass mein Dreijähriger beißt und schlägt. Was habe ich falsch gemacht?

Sie haben nichts falsch gemacht. Die beginnende Selbstwahrnehmung bringt Ihr Kind in eine Situation, in der es sich für Sie befremdlich verhält. Zeigen Sie, dass Sie ihn auch als kleine Person sehen und übertragen ihm kleine Aufgaben.

Im dritten und vierten Lebensjahr erleben die Kinder nicht nur ihre Selbstständigkeit, sondern sie nehmen auch sich selbst wahr. Sie wollen überall ihren Willen auch bei den Eltern durchsetzen, andererseits aber nicht deren Zuneigung verlieren. Auch in der Gruppe fühlen sie sich noch nicht richtig geborgen und haben noch nicht ihren Platz gefunden, was ein Auslöser für das aggressive Verhalten sein kann. Es hilft, wenn Sie Ihrem Kind ein Teil der Verantwortung für Entscheidungen übertragen und ihm kleine Aufgaben geben, z.B. beim Abräumen des Tisches helfen. So ist es leichter, Ihrem Kind Grenzen zu setzen. Vielleicht schauen Sie noch einmal, ob die Struktur der Betreuungsgruppe in Ordnung ist.

Zu weiteren Informationen: Remo H. Largo, Babyjahre, Piper Verlag München Zürich, 2012.

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik

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