Großeltern werden (HB)


Werden die Kinder zu Eltern, verkehren sich die Rollen. Kinder nehmen sich anders wahr und auch die Eltern der Kinder werden zu „Groß-Eltern“.
Viele Regeln und Rituale die vorher bestanden, sind plötzlich nicht mehr sinnvoll, überflüssig oder kontraproduktiv. Die „Kinder“ haben nun andere Bedürfnisse als vorher und auch die frischen Großeltern möchten anders am Leben ihrer Kinder teilhaben als zuvor. Jede Seite muss sich plötzlich in eine andere Rolle hineinfinden. Die Kinder müssen bedenken, dass die Großeltern eventuell noch arbeiten und ihre Freizeit nötiger als früher haben, weil sie älter sind und längere Regenerationszeiten benötigen.
Gerade wenn die Großeltern kleine Handicaps haben, müssen diese berücksichtigt werden. Auch die Pläne der älteren Generation können nicht komplett über den Haufen geworfen werden, nur weil man ein Enkelkind bekommt. Für manche Großeltern ist es selbstverständlich, ständig für die Kleinen da zu sein, und für andere ist es nur zum Teil eine Freude.
Hier müssen auch die Kinder erst einmal ausloten, welche Sachlage herrscht, sonst sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Es ist sehr informativ zu wissen, wie die eigenen Eltern erzogen wurden und wie viel Unterstützung sie hatten, als sie Eltern wurden. Die werdende Mutter sollte im Vorfeld gerade mit der Schwiegermutter klären, dass sie mal ein klares Wort sprechen darf, und der Sohn sollte darauf pochen, dass die Familie lieber die ersten paar Wochen ungestört verbringt, wenn nötig. Der Schlüssel der Wohnung gehört auf die Innenseite der Tür, denn man braucht als frische Eltern und auch hinterher Privatsphäre als Familie. Grenzen müssen besprochen werden. Genauso wie das Paar sich neu sortieren muss, so sind die Großeltern mit ganz neuen Empfindungen und Bedürfnissen konfrontiert. Hier gilt also genau das Gleiche wie in der kleinen Partnerschaft: darüber reden und seine Vorstellungen äußern vermeidet Schaden.
Das werdende Elternpaar hat das Recht, seine Konditionen zu suchen und zu vermitteln. Generell ist es für die Eltern hilfreich, wenn die Großeltern zunächst einmal zurückstecken und sich nach der jungen Familie richten. Das ist in der Praxis nicht immer einfach und erst recht nicht, wenn gerade eine unschöne Situation entstanden ist. Beide Seiten sollten Wünsche, Zeitaufwand, Möglichkeiten, Unterstützung und Rechte besprechen. Hemmungen auf beiden Seiten erschweren den Umgang, gerade wenn die Mutter eines Sohnes plötzlich die neue Selbstständigkeit ihres Sohnes als (werdender) Vater erlebt. Nun kann sie ihn nicht mehr „bemuttern“!
Link: [https://www.familienschule-fulda.de/Dokumente/Grosseltern190118.pdf Checkliste Großeltern]
Autor: Julia Spätling, Diplom-Heilpädagogin, Kinderkrankenschwester, Leiterin der Familienschule Fulda, Gallasiniring 8, 36043 Fulda
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Literatur:
Schneewind, Klaus A. (2010): Familienpsychologie
https://www.bmfsfj.de/blob/76242/1ab4cc12c386789b943fc7e12fdef6a1/monitor-familienforschung-ausgabe-31-data.pdf
Statistisches Bundesamt (2017): Kinderlosigkeit, Geburten und Familien – Ergebnisse des Mikrozensus 2016 (https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressekonferenzen/2017/Mikrozensus_2017/Pressebroschuere_Mikrozensus_2017.pdf?__blob=publicationFile; abgerufen am 14.02.2019)
Ratgeber:
Bleier, B./Schilling, B. (2008): Besser einfach – einfach besser – Das Haushalts-Survival-Buch, Holzgerlingen
Hilsberg, R. (2003): Wenn das zweite Kind kommt – Schwangerschaft, Geburt und erstes Lebensjahr, Freiburg
Nilsson, L. (1999): Ein Kind entsteht – Bilddokumentation über die Entwicklung des Lebens im Mutterleib, München
Schaeffler, S. (2003): Was mit dem Zweiten anders wird …, München
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