Geburts- und Familienvorbereitung (HB): Unterschied zwischen den Versionen

 
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Physische und physische Gewalt, sexueller Missbrauch und Vernachlässigung werden bei schlechter Bindung häufiger beobachtet. Hat ein Kind einmal Gewalt erfahren, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in späterer Zeit wieder Gewalt ausübt, deutlich erhöht. Diese Spirale wird unterbrochen, wenn ein Kind die Möglichkeit zu einer guten Bindung oder später die Möglichkeit hat, mit einem Partner in einer befriedigenden Beziehung zu leben.
 
Physische und physische Gewalt, sexueller Missbrauch und Vernachlässigung werden bei schlechter Bindung häufiger beobachtet. Hat ein Kind einmal Gewalt erfahren, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in späterer Zeit wieder Gewalt ausübt, deutlich erhöht. Diese Spirale wird unterbrochen, wenn ein Kind die Möglichkeit zu einer guten Bindung oder später die Möglichkeit hat, mit einem Partner in einer befriedigenden Beziehung zu leben.
  
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Aktuelle Version vom 26. März 2020, 12:05 Uhr

Quelle: Getty

Was ist Geburts- und Familienvorbereitung?

Während die Ansprüche der Gesellschaft an die Familie groß sind, ist die Vorbereitung der jungen Menschen, die eine Familie gründen wollen, unzureichend. Weder Eltern noch Schule noch Medien vermitteln das dazu nötige Wissen. Das fehlende Wissen, wie eine gute Partnerschaft gelebt werden soll, führt zu erheblichen Belastungen und Überforderungen, die die Eltern oft nicht meistern und in Scheidung oder Trennung resultieren. Die hohe Scheidungsrate erfährt in den letzten Jahren zwar eine Abflachung, was aber nicht für eine Stabilisierung spricht, da zunehmend viele Paare nicht heiraten und eine Trennung nicht verheirateter Paare nicht erfasst wird. Die Hälfte der Kinder von Geschiedenen sind unter 18 Jahren. Meist haben die Mütter nach einer Scheidung den Großteil der Folgen zu tragen und sind wirtschaftlich schlechter gestellt als die Väter. Der sozioökonomische Status der Familie hat einen erheblichen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten in der Kindheit. So sind während und nach der Trennung oft nicht nur die Eltern psychisch deutlich alteriert, sondern auch die Langzeitfolgen für ihre Kinder können beträchtlich sein.

Die Ursachen für die Belastungen am Übergang zur Elternschaft sind: Unkenntnis der neuen Lebenssituation, irrationale Erwartungen an ein Leben mit Kind, Unfähigkeit, Konflikte gemeinsam zu lösen, und fehlende Streitkultur. In der Folge reduziert sich die Achtung vor dem Partner, oft entsteht Überforderung. Nach der Geburt des ersten Kindes nimmt die Kommunikation und in der Folge die Zärtlichkeit zwischen den Paaren ab, Streit und Unzufriedenheit mit dem Partner nehmen zu. Hierbei spielt der entstehende Stress eine wesentliche Rolle. Eine gute Partnerschaft der Eltern verbessert nicht nur ihr individuelles Wohlbefinden, es erleichtert auch die Bindung der Kinder, die die Basis für ihre gute Entwicklung darstellt. Der Einfluss guter Bindung an Bezugspersonen ist eindrucksvoll in der „Bucharest Interventions Study“ mit Heimkindern gezeigt worden.

Physische und physische Gewalt, sexueller Missbrauch und Vernachlässigung werden bei schlechter Bindung häufiger beobachtet. Hat ein Kind einmal Gewalt erfahren, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in späterer Zeit wieder Gewalt ausübt, deutlich erhöht. Diese Spirale wird unterbrochen, wenn ein Kind die Möglichkeit zu einer guten Bindung oder später die Möglichkeit hat, mit einem Partner in einer befriedigenden Beziehung zu leben.

Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda a.D.


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Literatur:

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Noble, K. G. et al. (2015): „Family income, parental education and brain structure in children and adolescents“, in: Nature Neuroscience 18:773–778 (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25821911

Franz, M. (2013): „Elterliche Trennung und Scheidung – Folgen und Risiken“, in: Franz, M./ Kögl, A. (Hrsg) (2013): Scheiden tut weh, Stuttgart, S. 80-121

Fthenakis, W. E./Kalicki, B./Peitz, G. (Hrsg.) (2002): Paare werden Eltern - Die Ergebnisse der LBS-Familien-Studie, Opladen
Bodenmann, G./Cina, A. (2006): „Stress and coping among stable-satisfied, stable-distressed and separated/divorced Swiss couples: A 5-year prospective longitudinal study“, in: J Divorce Remarriage, 44:71-89

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Grossmann, K. E./Grossmann, K. (2009): „Fünfzig Jahre Bindungstheorie - Der lange Weg der Bindungsforschung zu neuem Wissen über klinische und praktische Anwendung“, in: Brisch, K. H./Hellbrügge, T. (Hrsg.): Wege zu sicheren Bindungen in Familie und Gesellschaft, Stuttgart

Fox, N. A./Almas, A. N./Degnan, K.A./Nelson, C. A., Zeanah/C. H. (2011): „The effects of severe psychosocial deprivation and foster care intervention on cognitive development at 8 years of age: findings from the Bucharest Early Intervention Project“, in: J Child Psychol Psychiatry, 52:919–28 (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4088941/

Cierpka, M./Cierpka, A. (2012): „Gewalt in der Familie“, in: Cierpka, M. (Hrsg.): Frühe Kindheit 0–3 Jahre - Beratung und Psychotherapie für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern, Berlin/Heidelberg