Medikamente unter der Geburt: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Spascupreel '''(Tabletten)
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Spascupreel ist ein homöopathisches in Tablettenform vorliegendes Medikament, was zur Linderung von Krämpfen eingesetzt wird. Es besteht aus Extrakten von elf Pflanzen in homöopathischer Konzentration. Auch wenn Spascupreel kein Medikament der Schulmedizin ist, so ist seine Gabe ungefährlich. Es wird gerne eingesetzt, um die Gabe starker Schmerzmittel zu vermeiden oder zumindest zu verzögern.>>Hebammen-Tipp: Einige Hersteller bieten auf ihren Internetseiten den Download der Beipackzettel an!
 
Spascupreel ist ein homöopathisches in Tablettenform vorliegendes Medikament, was zur Linderung von Krämpfen eingesetzt wird. Es besteht aus Extrakten von elf Pflanzen in homöopathischer Konzentration. Auch wenn Spascupreel kein Medikament der Schulmedizin ist, so ist seine Gabe ungefährlich. Es wird gerne eingesetzt, um die Gabe starker Schmerzmittel zu vermeiden oder zumindest zu verzögern.>>Hebammen-Tipp: Einige Hersteller bieten auf ihren Internetseiten den Download der Beipackzettel an!
  
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'''Buscopan plus'''® (Zäpfchen)<br>
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Buscopan plus® ist ein krampflösendes und schmerzstillendes Medikament in Tablettenform, das einerseits eine krampflösende Substanz beinhaltet, die aus einem Pflanzenextrakt weiterentwickelt wurde, andererseits das Schmerzmittel Paracetamol enthält. Bei Gesunden sind Nebenwirkungen sehr selten. Buscopan plus® wird nach einem Versuch mit homöopathischen Mitteln gerne eingesetzt, um die Gabe starker Schmerzmittel zu vermeiden oder zumindest zu verzögern.
  
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'''Baldrian '''(Tinktur)<br>
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Baldriantinktur enthält einen Extrakt aus der Baldrianpflanze. Baldrianextrakte sind als nebenwirkungsarme Beruhigungs- und Schlafmittel im Handel. Die Wirkung ist nachgewiesen. Im Kreißsaal kann Baldrian helfen, Anspannung zu lösen und so die Geburt zu erleichtern.
  
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'''Tramadol '''(oral, im, iv)<br>
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Tramadol ist ein schwaches, dem Morphin ähnliches Medikament, was die Schmerzwahrnehmung dämpft. Bei einem Drittel der Patienten wirkt Tramadol nicht. Übelkeit, Schläfrigkeit und Benommenheit können auftreten. Tramadol fällt in Deutschland nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Nach dem Versuch der Schmerzlinderung mit leichteren Mitteln kann Tramadol unter der Geburt hilfreich sein.
  
'''Buscopan plus'''® (Zäpfchen)Buscopan plus® ist ein krampflösendes und schmerzstillendes Medikament in Tablettenform, das einerseits eine krampflösende Substanz beinhaltet, die aus einem Pflanzenextrakt weiterentwickelt wurde, andererseits das Schmerzmittel Paracetamol enthält. Bei Gesunden sind Nebenwirkungen sehr selten. Buscopan plus® wird nach einem Versuch mit homöopathischen Mitteln gerne eingesetzt, um die Gabe starker Schmerzmittel zu vermeiden oder zumindest zu verzögern.
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'''Meptazinol '''(Meptid®, iv, im)<br>
 
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Meptid® ist ein dem Morphin ähnliches Medikament für schwache bis mäßig starke Schmerzen. Meptazinol wird häufiger unter der Geburt angewendet, da nur selten eine atemdepressive Wirkung bei der Mutter oder beim Neugeborenen beobachtet wurden. Meptazinol fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit bis hin zur Benommenheit und Schwindel werden nicht selten beobachtet. Nach dem Versuch der Schmerzlinderung mit leichteren Mitteln kann Meptazinol unter der Geburt hilfreich sein.
 
 
 
 
 
 
'''Baldrian '''(Tinktur)Baldriantinktur enthält einen Extrakt aus der Baldrianpflanze. Baldrianextrakte sind als nebenwirkungsarme Beruhigungs- und Schlafmittel im Handel. Die Wirkung ist nachgewiesen. Im Kreißsaal kann Baldrian helfen, Anspannung zu lösen und so die Geburt zu erleichtern.
 
 
 
'''Tramadol '''(oral, im, iv)Tramadol ist ein schwaches, dem Morphin ähnliches Medikament, was die Schmerzwahrnehmung dämpft. Bei einem Drittel der Patienten wirkt Tramadol nicht. Übelkeit, Schläfrigkeit und Benommenheit können auftreten. Tramadol fällt in Deutschland nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Nach dem Versuch der Schmerzlinderung mit leichteren Mitteln kann Tramadol unter der Geburt hilfreich sein.
 
 
 
'''Meptazinol '''(Meptid®, iv, im)Meptid® ist ein dem Morphin ähnliches Medikament für schwache bis mäßig starke Schmerzen. Meptazinol wird häufiger unter der Geburt angewendet, da nur selten eine atemdepressive Wirkung bei der Mutter oder beim Neugeborenen beobachtet wurden. Meptazinol fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit bis hin zur Benommenheit und Schwindel werden nicht selten beobachtet. Nach dem Versuch der Schmerzlinderung mit leichteren Mitteln kann Meptazinol unter der Geburt hilfreich sein.
 
 
 
'''Lachgas – N2O – (Livopan®, N2O/O2 = 50/50)'''Seit Jahrzehnten wird Lachgas unter der Geburt besonders in angelsächsischen Ländern verwendet. In niedrigen Dosierungen wirkt es beruhigend und angstlösend und nur in hohen Dosierungen schmerzlindernd. Von Vorteil kann die selbst gesteuerte Zufuhr durch die Gebärende sein. Es kann aber zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel bis hin zu Halluzinationen kommen. Die Deutsche Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie, sowie die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin raten von dem Gebrauch von Lachgas ab, da es derzeit nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden, dass Lachgas Mutter, Neugeborenes und Personal schädigt.
 
 
 
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'''Lachgas – N2O – (Livopan®, N2O/O2 = 50/50)'''<br>
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Seit Jahrzehnten wird Lachgas unter der Geburt besonders in angelsächsischen Ländern verwendet. In niedrigen Dosierungen wirkt es beruhigend und angstlösend und nur in hohen Dosierungen schmerzlindernd. Von Vorteil kann die selbst gesteuerte Zufuhr durch die Gebärende sein. Es kann aber zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel bis hin zu Halluzinationen kommen. Die Deutsche Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie, sowie die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin raten von dem Gebrauch von Lachgas ab, da es derzeit nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden, dass Lachgas Mutter, Neugeborenes und Personal schädigt.
  
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<a href="https://wikifamilia.com/wiki/Benutzer:LudwigSpaetling" title="Benutzer:LudwigSpaetling">Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik am Klinikum Fulda a.D.</a><span><span></span>in Zusammenarbeit mit Prof. em. Dr. Michael Zenz, ehem. Direktor der Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin im Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum.</span>
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'''Weitere Infos:'''<br>
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[[PDA oder Periduralanästhesie - Welche Nebenwirkungen hat eine Periduralanästhesie bzw. eine Vollnarkose?]]
  
  
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[[Benutzer:LudwigSpaetling|Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda a.D.]]
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in Zusammenarbeit mit Prof. em. Dr. Michael Zenz, ehem. Direktor der Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin im Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum.
  
  
<span>[[Kategorie:Geburt (HB)]] [[Kategorie:Geburt]] [[Kategorie:Geburtsverlauf]]</span>
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[[Kategorie:Geburt (HB)]] [[Kategorie:Geburt]] [[Kategorie:Geburtsverlauf]]

Aktuelle Version vom 10. Juli 2019, 09:33 Uhr

Spascupreel (Tabletten)
Spascupreel ist ein homöopathisches in Tablettenform vorliegendes Medikament, was zur Linderung von Krämpfen eingesetzt wird. Es besteht aus Extrakten von elf Pflanzen in homöopathischer Konzentration. Auch wenn Spascupreel kein Medikament der Schulmedizin ist, so ist seine Gabe ungefährlich. Es wird gerne eingesetzt, um die Gabe starker Schmerzmittel zu vermeiden oder zumindest zu verzögern.>>Hebammen-Tipp: Einige Hersteller bieten auf ihren Internetseiten den Download der Beipackzettel an!

Buscopan plus® (Zäpfchen)
Buscopan plus® ist ein krampflösendes und schmerzstillendes Medikament in Tablettenform, das einerseits eine krampflösende Substanz beinhaltet, die aus einem Pflanzenextrakt weiterentwickelt wurde, andererseits das Schmerzmittel Paracetamol enthält. Bei Gesunden sind Nebenwirkungen sehr selten. Buscopan plus® wird nach einem Versuch mit homöopathischen Mitteln gerne eingesetzt, um die Gabe starker Schmerzmittel zu vermeiden oder zumindest zu verzögern.

Baldrian (Tinktur)
Baldriantinktur enthält einen Extrakt aus der Baldrianpflanze. Baldrianextrakte sind als nebenwirkungsarme Beruhigungs- und Schlafmittel im Handel. Die Wirkung ist nachgewiesen. Im Kreißsaal kann Baldrian helfen, Anspannung zu lösen und so die Geburt zu erleichtern.

Tramadol (oral, im, iv)
Tramadol ist ein schwaches, dem Morphin ähnliches Medikament, was die Schmerzwahrnehmung dämpft. Bei einem Drittel der Patienten wirkt Tramadol nicht. Übelkeit, Schläfrigkeit und Benommenheit können auftreten. Tramadol fällt in Deutschland nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Nach dem Versuch der Schmerzlinderung mit leichteren Mitteln kann Tramadol unter der Geburt hilfreich sein.

Meptazinol (Meptid®, iv, im)
Meptid® ist ein dem Morphin ähnliches Medikament für schwache bis mäßig starke Schmerzen. Meptazinol wird häufiger unter der Geburt angewendet, da nur selten eine atemdepressive Wirkung bei der Mutter oder beim Neugeborenen beobachtet wurden. Meptazinol fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit bis hin zur Benommenheit und Schwindel werden nicht selten beobachtet. Nach dem Versuch der Schmerzlinderung mit leichteren Mitteln kann Meptazinol unter der Geburt hilfreich sein.

Lachgas – N2O – (Livopan®, N2O/O2 = 50/50)
Seit Jahrzehnten wird Lachgas unter der Geburt besonders in angelsächsischen Ländern verwendet. In niedrigen Dosierungen wirkt es beruhigend und angstlösend und nur in hohen Dosierungen schmerzlindernd. Von Vorteil kann die selbst gesteuerte Zufuhr durch die Gebärende sein. Es kann aber zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel bis hin zu Halluzinationen kommen. Die Deutsche Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie, sowie die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin raten von dem Gebrauch von Lachgas ab, da es derzeit nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden, dass Lachgas Mutter, Neugeborenes und Personal schädigt.

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Weitere Infos:
PDA oder Periduralanästhesie - Welche Nebenwirkungen hat eine Periduralanästhesie bzw. eine Vollnarkose?


Autor: Prof. Dr. Ludwig Spätling, Direktor der Frauenklinik Fulda a.D. in Zusammenarbeit mit Prof. em. Dr. Michael Zenz, ehem. Direktor der Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin im Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil, Bochum.